Am vergangenen Wochenende befand sich das Seminar von Prof. Maull in Otzenhausen. Dort wurden wie bereits bekannt sein sollte die Sechs-Parteien-Gespräche simuliert.

Das Ergebnis dieser Verhandlungen vorweg: Es ist kein Krieg ausgebrochen. Dennoch war die „Ausbeute“ sehr mager. Letztlich zog sich Nordkorea aus dem Sechs-Parteien-Gesprächen bis zum Jahr 2009 zurück und verhandelt nur noch Bilateral mit China und Russland.
Als wir Freitags in Otzenhausen ankamen sah es eigentlich so aus, als ob die Verhandlungen einen guten Lauf nehmen würden. Generelle Kooperationsbereitschaft bei allen Parteien lag in der Luft. In seine Rolle als Delegationsleiter oder Vizedelegationsleiter oder ranghoher Diplomat fand man sich rasch ein. Die Dynamik der Simulation war mit Mach 4 gleichzustellen. Nach der ersten Plenumsrunde begannen die informellen Gespräche mit den einzelnen Ländern und Delegationen. Südkorea wussten wir zu beginn nicht einzuschätzen, aus Erfahrungen heraus (welche der Literatur entnommen wurde) war SK eigentlich ein Freund der USA. Dennoch waren die Signale zu Beginn der Simulation eher konfrontativ. Später durch ein dramatisches Ereignis, die Proliferation seitens Nordkoreas gegenüber Syrien, rückten dennoch die Verbündeten und Freunde der USA dicht zusammen.
Durch die Meldung von seitens des Außenministeriums und der Presse war an schlafen gehen vorerst einmal gar nicht zu denken.
Hier die Meldung:
AFP, Washington, Feb.1, 2008:
Eilt!! Sofort auf den Tisch!!
Nach Informationen der Zeitung „Washington Times“ hat ein hochrangiger Diplomat Nordkoreas in der amerikanischen Botschaft in Beijing um Asyl nachgesucht. Der Überläufer sei zuletzt in Syrien stationiert gewesen und verfügt nach Aussagen der Zeitung über Kenntnisse über die nukleare Zusammenarbeit zwischen Syrien und Nordkorea. Angeblich, so der gewöhnlich gut informierte, den so genannten „Falken“ der Regierung Bush nahe stehende Journalist Bill Geertz, habe diese Zusammenarbeit nach Aussagen und Dokumenten des nordkoreanischen Diplomaten bezweckt, Syrien den Bau von Atombomben zu ermöglichen. Diese Zusammenarbeit sei erst mit den Luftangriffen Israels auf ein Ziel im Osten Syriens am 6. September 2007 zum Erliegen gekommen. Hinter diesem Ziel vermuten etliche Beobachter einen mit nordkoreanischer Hilfe entwickelten Forschungsreaktor zur Herstellung von Plutonium, dem Grundstoff von Atombomben.
Um 21:30Uhr überschlugen sich dann die Ereignisse in den Fluren der „Sommerresidenz“ der chinesischen Delegation in Otzenhausen. Rege Geschäftigkeit nahm man auf den Fluren war. Die Türe unseres Besprechungszimmer wurde umlagert von Fragenden Delegationsmitgliedern, anderer Teilnehmer.
Eine Lösung des Problems schien nicht in greifbarer Nähe, aber eine Strategie für den morgigen Tag wurde festgezurrt und war um 01:45Uhr unter Dach und Fach! Somit beschlossen wir uns für ein paar Stunden aufs Ohr zu legen. – Das Abschalten der Gedanken, viel schwer und dauerte lang.
Bereits um 07:00Uhr begann bereits unser neuer Arbeitstag wieder. Vor dem Frühstück wurde der Standpunkt innerhalb unserer Delegation besprochen um nochmals Rücksprache mit unserer Regierung zu halten. Nach dem Frühstück traten die Arbeitsgruppen zusammen. Hier sollte rasch klar werden, dass sich über nacht die Positionen der einzelnen Länder so verfestigt haben, dass kein Entgegenkommen mehr möglich schien. Es bildeteten sich auch das erste mal offensichtliche Allianzen. Im Delegationsleitergespräch mit China wurde lautstark und heftig diskutiert. Thema war der Nichtverbreitungsvertrag. Für die USA, Japan und Südkorea war dies aber nur ein Zahnloser Papiertiger, sofern nicht das Zusatzprotokoll mit beschlossen würde.

Darauf lies sich die nordkoreanische Delegation nicht ein. Es wurden Pakete geschnürt um den verängstigten Kater aus der Höhle zu locken. Alles half nichts! Die Gespräche schienen zu scheitern.
Die Verhandlungsmandate der einzelnen Delegationen liesen kaum einen Spielraum mehr zu, somit wurde keine konkrete Abschlusserklärung gefasst.
Weitere Berichte über das überaus interessante Erlebnis werden bestimmt folgen. Es waren soviele Eindrücke, dass man sie nicht alle auf einmal erzählen kann. Somit wird wohl eine Serie entstehen zu den unterschiedlichsten Themen von der Simulation.


So ist sie, die Diplomatie. Normal ist kein Ergebnis.
Aber es wirklich wahnsinnig Spaß gemacht und als wir zurückfuhren, haben wir uns richtig ein bisschen enttäuscht gefühlt, mangels Ergebnis, trotz der langen Vorbereitungen, obwohl alles nur ein Spiel war. Wie man sich da reinsteigert, ist geradezu unheimlich. Es gab übrigens auch großes Lob, dass wir unsere USA-Rolle sehr gut rübergebracht hätten mit unserer Jackett-Jeans-Anstecker-Kombination.
Hast du noch mehr Bilder? Wir sollten die unbedingt mal austauschen. China hat wohl eine ganze Menge gemacht. Da muss ich nochmal Druck machen, dass die online gehen.
Von: Chief-Delegate Bud Brunson am 4. Februar 2008
um 10:23
Ah jo wie in der Politik halt üblich es wird viel geredet und zum Schluss ist alles beim alten
Von: George W. Bush am 4. Februar 2008
um 18:09
Freut mich, wenn wir gut rüberkamen. Ein paar mehr Bilder habe ich noch. Tauschen wir demnächst mal aus. Christian hat ja auch noch welche gemacht. China wohl die Meisten. Nächste Woche oder so müssen wir unbedingt mal Poker spielen.
Auf jedenfall war es einfa h interessant, ob was dabei rum kam oder nicht. Ein bisschen Enttäuscht war ich auch, habe am WE noch viel über die Simulation nachgedacht und an anderen Strategien rumüberlegt. Eigentlich schlimm, aber das zeigt auch, dass es wirklich spaß gemacht hat.
Von: Volker am 6. Februar 2008
um 13:56